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Buchvorstellung

“Die heilige Ehe”

von Dr. K. Parvathi Kumar

 

Lessons on the Yoga of Patanjali

Die Heirat ist ein bedeutendes Sakrament für den Menschen. Es weiht, reinigt und transformiert denjenigen, der heiratet. Sie zu paaren ist etwas anderes, als zu heiraten. Säugetiere, Vögel und Insekten paaren sich - der Mensch heiratet. Darin besteht der Unterschied. Wenn der Mensch die Heirat nur als eine Lizenz zum Paaren versteht, ist er nicht besser als ein Tier. Hinter jedem Sakrament steckt eine höhere Absicht, und die Heirat stellt das Wichtigste aller Sakramente dar.

Die vedischen Rituale sind im allgemeinen ausführlich und lang, während viel Essenz in ihnen enthalten ist. Dr. Kumar hat das gesamte Ritual in Samenform entworfen und in einer universellen Weise dargestellt. Es kann von jedem Paar verwendet werden, das auf ernsthafte Weise zu heiraten beabsichtigt.

Edition Kulapati, Wermelskirchen 1997
 

Leseprobe:

Die Heirat - ein Sakrament

Das Naturgesetz


Es ist ein Gesetz der Natur, das, was du empfängst, auch zu geben, um einen Ausgleich zu schaffen.  Wenn du mehr bekommst als du gibst, bindet es dich. Wenn du mehr gibst als du erhältst, schwächt es dich. Wenn du dafür sorgst, dass Geben und Nehmen in gleichem Masse fliessen, kannst du im Gleichgewicht leben. Das lässt sich für alle Lebensbereiche anwenden, auch in bezug auf deinen Körper. Wir erhalten unsere Körper durch die Eltern, also haben wir auch die Pflicht, für eine andere Seele einen Körper bereitzustellen. Der Same wird zum Baum, um Früchte und neue Samen hervorzubringen. Dies ist das Gesetz, durch das die Natur ihren Fortbestand sichert. Wir erhalten die Unterstützung der Gesellschaft, deshalb müssen wir auch die Gesellschaft unterstützen. In jungen Jahren erhalten wir durch unsere Eltern und andere Familienmitglieder Hilfe und Unterstützung, daher müssen auch wir, wenn wir erwachsen sind, den Jüngeren unsere Hilfe zukommen lassen. Wir lernen von den Älteren, folglich müssen auch wir die Jüngeren lehren.


Die Verantwortung

Der Zweck der Heirat liegt daher in der Pflicht, für andere Seelen Körper zur Verfügung zu stellen. Doch geht es bei der Heirat nicht nur darum, der inkarnierenden Seele irgendeinen Körper anzubieten, es soll auch ein gesunder Körper sein.

Das macht die Verantwortung noch grösser. Heutzutage vererbt der Mensch seinen Nachkommen immer öfter Krankheiten anstatt Gesundheit und Wohlstand. Ein Paar, dessen Gedanken und Gefühle, Sprache und Handlungen etwas Krankes an sich haben, gibt diese Krankheit unweigerlich an seine Nachkommen weiter. Daher sollte die Vereinigung stattfinden, wenn sich alle Ebenen (mental, emotional und physisch) in einem gesunden Zustand befinden. Ein Diabetiker sollte zum Beispiel dafür sorgen, dass sein Zuckerspiegel in Ordnung ist, bevor er ein Kind plant. Eine fettleibige Person sollte erst ihr Gewicht reduzieren, bevor sie sich vornimmt, ein Kind zu bekommen.

Angeborene Krankheiten sind nicht leicht zu hellen. Deshalb ist es eine Vorbedingung für die Geburt einer Seele, dass das Paar auf seine Gesundheit achtet.

Ausserdem sollte zwischen den Partnern ein gewisser Grad an Harmonie herrschen. Ein Paar, das in Konflikt lebt, bringt Kinder hervor, die ein widersprüchliches Naturell oder innere Konflikte haben.

Gesundheit und Harmonie sind also wichtige Voraussetzungen, wenn man inkarnierenden Seelen einen Körper geben möchte.


Die Polarität der Geschlechter - der Gandharva

Die Natur pflanzt sich mit Hilfe ihrer Lebewesen fort. Um diese Fortpflanzung durchzuführen, erzeugt sie die Kraft der sexuellen Anziehung: Kama. Dieses Prinzip des Kama ist als ein "Gandharva" bekannt und bildet die Grundlage für die magnetische Kraft eines kosmischen Prinzips, das Soma genannt wird, Das Soma-Prinzip verbreitet sich auf dem Planeten Erde, indem es sich durch den Mond widerspiegelt, der die Erde als Satellit umläuft. Kama, der Gandharva, bewegt sich mit Hilfe von Soma weiter und ist für die Frische der Jugend zuständig. Diese jugendliche Frische entfaltet sich in der Braut und im Bräutigam bis unmittelbar vor der Heirat immer mehr, und wird "Pendhi Kala' der Glanz genannt.

Die Braut und der Bräutigam sind dann bezaubernd und gewinnen immer mehr Anziehungskraft füreinander. In der Vorstellung der Seher früherer Zeiten ist dies das Werk des Gandharva.

Während des Heiratsrituals wird dieser Gandharva angerufen, verehrt und zufrieden gestellt, damit dem Paar das Glück zuteil wird, die Seligkeit des Sakramentes der Ehe zu erfahren.

Jene, welche die Kraft des Gandharva durch das Heiratsritual erkennen und verwirklichen, gewinnen die richtige Einstellung zum Sex. Für sie ist die Polarität der Geschlechter ein Mittel, gute Nachkommen zur Welt zu bringen. Andere, die den Zweck und die Macht des Gandharva nicht erkennen, sehen in der Sexualität nicht mehr ein Werkzeug der Fortpflanzung sondern sie werden zu Werkzeugen der Sexualität.

Anstatt in der Vereinigung mit der sexuellen Kraft zusammenzuarbeiten, wird das Paar davon überwältigt und würdigt so den Zeugungsakt zu einer tierischen Aktion herab, die wiederum tierische Menschen hervorbringt. Ein Mensch, der von der Kraft der Sexualität überwältigt wird, gleicht einem Schiff in einem Wirbelsturm. Die Macht der Sexualität richtet ihn zugrunde und lässt ihn für den Rest seines Lebens mit gesundheitlichen Schäden zurück.


Die eheliche Gemeinschaft

Die Ehe bietet eine lebenslange Gemeinschaft und Partnerschaft. Der Mann lernt dabei, für die Frau zu arbeiten, und die Frau lernt, für den Mann zu arbeiten. "Einer für den anderen' ist die Tugend, die schrittweise verwirklicht wird und den Menschen gleichzeitig emporhebt. Jeder der Partner lernt, seine Bequemlichkeit dem anderen zuliebe zu opfern und seine Freude mit dem anderen zu teilen. "Geben und Nehmen" sowie "Teilen und Verteilen" werden allmählich entwickelt. Vor allem lernen die Menschen dadurch, den Standpunkt anderer zu akzeptieren, was einen grossen Schritt in der Evolution darstellt. Auf ganz natürliche Weise lernen die Partner voneinander und lehren einander.

Die gegenseitige Anteilnahme und das Sorgen füreinander entfaltet die Blütenblätter des Herzens,
und der Mensch erfährt allmählich die Seligkeit der Liebe. Der Mann beschützt die Frau und wahrt ihre Interessen, und die Frau achtet auf die Bedürfnisse des Mannes. Durch diesen Prozess erreichen die Partner einen Zustand gegenseitiger Identifizierung, in dem die Vereinigung der Seelen erfahren wird, im Unterschied zur Vereinigung der Körper. Damit wird das Einssein verwirklicht.


Die Gruppe

Wenn Mann und Frau in solcher Harmonie und Gesundheit leben und Seelen die Geburt ermöglichen, haben sie eine Pflicht gut erfüllt. Doch damit sind noch nicht alle Pflichten erledigt.

Wenn sie Kinder zeugen, müssen sie auch gemeinsam dafür sorgen, dass diese in der richtigen Atmosphäre aufwachsen können. Die Kinder sollen richtig ernährt werden und die rechten Gewohnheiten und Lebenseinstellungen vermittelt bekommen. Nur dann ist die Pflicht wirklich erfüllt. So arbeiten beide Partner für ihre Kinder und lernen in diesem Prozess weitere Lektionen im Opferbringen. Wenn sich die Familie vergrössert, so dass vielleicht vier oder fünf Mitglieder zusammenleben, wird allmählich Gruppenbewusstsein gewonnen, im Gegensatz zum individuellen Bewusstsein. Auch das ist ein Schritt der Bewusstseinserweiterung. So stellt die Familie eine wichtige Schule dar, um die Lektionen des Lebens zu lernen. In der Tat ist sie von der Natur als die Schule geplant, in der wir die fundamentalen Dinge des Lebens lernen.

Wenn sich die Familie harmonisch entwickelt, entsteht oftmals eine gegenseitige Anhänglichkeit, die eine Identifizierung auf der Seelenebene erschwert. Diese Art von Verbundenheit ist die niedere Form der Liebe. Sie fesselt die Menschen und schränkt sie ein. Liebe hingegen ermöglicht es, ohne Fesseln gemeinsam zu leben und Erfahrungen zu sammeln. "Stehe frei inmitten der anderen" ist der Leitgedanke des Familienlebens.

Im Osten entartet die Liebe zwischen den Familienmitgliedern oft zu einer überstarken Bindung an die Familie, während im Westen die Entartung in der Gleichgültigkeit oder Absonderung liegt. Eine Ausgewogenheit zwischen diesen beiden Extremen ermöglicht uns, die Liebe im Familienleben zu erfahren.
 

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